Partnervermittlungen – das unseriöse Geschäft mit der Einsamkeit

Partnervermittlungen – das unseriöse Geschäft mit der Einsamkeit

Hier geht es nicht um Online-Dating, sondern um die immer noch existierenden klassischen Partnervermittlungen im realen Leben. Jene, die versprechen, dich zu verkuppeln, wenn du nur genug zahlst … Natürlich formulieren es die Flyer oder Hochglanzbroschüren nicht so direkt.

Kurz zusammengefasst:

  • Partnervermittler suchen in Zeitungen oder mit Flugblättern und Broschüren einsame Singles
  • Für viel Geld wird versprochen, die Traumpartnerin/ den Traumpartner zu finden
  • «Heiratsvermittler» sind heute kaum noch erfolgreich

Leicht angestaubt, doch immer noch da: Heiratsvermittlung

Wer braucht eigentlich noch eine solche Partnervermittlung, wenn es doch so einfach ist, im Internet jemanden kennenzulernen? Wer gibt Tausende Euro oder Franken aus, um eine Partnerin zu finden, wenn es online günstig oder sogar gratis Singlebörsen gibt? Die besten Zeiten der «Heiratsanbahner» sind definitiv vorbei.

Das heißt aber nicht, dass es sie nicht mehr gäbe. Nur haben sie es heute schwerer, Singles dazu zu bewegen, einige Tausend Euro oder Franken für die Vermittlung einer Partnerin zu bezahlen. Vielleicht müsste es sogar heißen «für den Versuch einer Vermittlung» – wir haben bei unserer Recherche nämlich niemanden gefunden, der in den letzten Jahren seinen Lebensgefährten auf diese Weise fand.

Partnervermittlungen haben ihre besten Zeiten hinter sich

Tatsächlich kämpfen Partnervermittlungen in der heutigen Zeit um einsame Herzen. Gab es früher wenig Alternativen, boomen längst Datingseiten im Internet. Da müssen alleinstehende Frauen und Männer gefunden werden, die nach dem letzten Strohhalm greifen.

Endlich nicht mehr alleine sein, raus aus der Einsamkeit. Wer nicht mehr alleine leben möchte, versucht alles und ist auch bereit, dafür zu zahlen.

Die Mitarbeiter sind geschult, selbst wirklich «schwer vermittelbaren» Singles Hoffnung zu machen und sie zu umgarnen. Darauf fallen meist solche Menschen herein, die keinen Computer haben oder sich zu wenig damit auskennen. Wer schon älter und alleine ist, traut sich vielleicht auch nicht, einfach im Netz mit Wildfremden zu kommunizieren.

Allerdings nimmt die Zahl der älteren Singles, die sich sicher im Internet bewegen, ständig zu. Ältere Menschen – die bevorzugte Zielgruppe der Partnervermittlungen – sind heute fit und erledigen Bankgeschäfte, Einkäufe und mehr am Bildschirm. So verzeichnen auch die online Datingseiten immer mehr Mitglieder 50plus.

Die Masche der Partnervermittlungen


Abzocke Partnervermittlungen
Manche Partnervermittlungen wollten nur eins: Das Geld ihrer Klienten (Bild: pixabay.com)

In den verschickten Unterlagen sprechen Partnervermittlungen jene Singles an, die kein Abenteuer suchen, sondern tatsächlich das Alleinsein kaum aushalten. Solche bindungswilligen Männer und Frauen, oft mit Heiratsabsichten, leben häufig auf dem Land oder einsam in einer Stadtwohnung, oft in anonymen Blöcken. Vielleicht haben sie auch ein Handicap und dadurch einen besonders schweren Stand, einen geliebten Menschen zu finden.

Briefe und Broschüren der Partnervermittler sind sehr durchdacht betextet. Dem betreffenden Single wird seine Situation so vor Augen geführt, dass er sich während der Lektüre allein noch schlechter fühlt. Liest er weiter, findet er alsbald die Lösung: die einfühlsame Unterstützung durch die Partnervermittlung. Diese verspricht, für jeden Menschen das passende Gegenüber zu finden.

So jedenfalls wird dies vermittelt. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus.

Die Mitgliederkarteien der Partnervermittlungen sind längst nicht mehr so prall gefüllt wie noch vor 20 Jahren. Häufig gibt es gar keine auf das Profil des Klienten passende Dame. (Ja, es sind tatsächlich überwiegend Männer, die sich von Partnervermittlungen um den Finger wickeln und abzocken lassen. Frauen müssen ohnehin weniger bezahlen und werden zum Teil nur als Lockvögel in der Kartei geführt.)

Sobald du dich dort unverbindlich schriftlich oder telefonisch meldest, zappelst du bereits in ihrem Netz. Wer nun wirklich verzweifelt eine liebe Partnerin sucht und zudem nicht gut Nein sagen kann, der ist gefangen. Er hält bald einen saftigen Einzahlungsschein in den Händen.

Wie läuft die Anmeldung bei einer Partnervermittlung ab?

Jede Partnervermittlung hat ihr eigenes Vorgehen. Aber im Grunde genommen ist der Ablauf fast immer der gleiche:

  • Inseriert wird dort, wo potenzielle «Opfer» erreicht werden. Beispielsweise in kleinen regionalen Zeitungen, in Frauenmagazinen, die die entsprechende Zielgruppe ansprechen. Gerne auch in Zeitschriften, die überwiegend von Landwirten gelesen werden. Also in Medien, deren Leser aufgrund ihres Jobs oder ihres Umfelds kaum Gelegenheit haben, im realen Leben eine Partnerin oder einen Partner zu finden.

Die Inserate sind vielversprechend, herzlich und einladend, die Kontaktaufnahme ist unkompliziert. Wer nicht schreiben mag, ruft an.


 

Partnervermittlung anrufen
Bei Anruf Glück? Partnervermittlungen versprechen das, aber halten Sie dieses Versprechen auch? (Bild: pixabay.com)

  • Eine freundliche und geschulte Mitarbeiterin findet in einem ersten, kürzeren Gespräch schon einiges über den Anrufer heraus. Ähnlich einer Kartenlegerin wird sie den Kunden mit gezielten Fragen durchleuchten.
  • Die meisten Partnervermittlungen legen Wert auf ein persönliches Gespräch. Das findet im Büro oder einem Café in der Nähe statt. Wer abgelegen lebt, kaum Freizeit hat oder nicht Auto fährt, kann solche nicht Termine wahrnehmen. Alternativ kann das Treffen auch im Zuhause des Singles stattfinden. Aber: Die Spesen muss der Heiratswillige übernehmen.

Im persönlichen Gespräch wird herausgefunden, was der Kunde sucht, welche Vorlieben und Gewohnheiten vorhanden sind. Und vor allem: Es darf gewünscht werden! Wie sollte der oder die Person sein, mit der man künftig sein Leben teilen möchte?

Diese Gespräche sind sehr herzlich, einfühlsam und optimistisch. Die Mitarbeiterin der Partnervermittlung wünscht sich – so scheint es – selbst nichts mehr, als einsame Menschen glücklich zu machen. Sie ist geschult darauf, das Gespräch in die Richtung zu lenken, in die sie es haben möchte.

Arbeitet sie gar auf Provision, was meistens der Fall ist, ist sie umso mehr auf einen Abschluss bedacht. Sie verabschiedet sich mit einem herzlichen Händedruck und dem Versprechen, dass, wenn die Dienstleistung gebucht wird, bald schon die ersten Partnervorschläge ins Haus flattern werden.

Das klingt alles richtig gut? Dann lies unbedingt weiter!

Wir haben versucht, jemanden zu finden, der oder die durch eine solche Partnervermittlung tatsächlich den Wunschpartner oder die Wunschpartnerin fanden. Leider ist uns das nicht geglückt.

Fakt ist:

Du buchst eine Dienstleistung. Dir wird wahrscheinlich garantiert, dass du eine bestimmte Anzahl von potenziellen Partnerinnen vorgestellt bekommst. Nicht jedoch, dass diese tatsächlich zu dir und deinen Lebensumständen passen. Schon gar nicht, dass du bald zu zweit durchs Leben gehen wirst. Dein Wohlbefinden interessiert den Dienstleister, also die Partnervermittlung genau so lange, wie du zahlst.

Auch wenn klassische Partnervermittler im Großen und Ganzen eine ähnliche Strategie haben, unterscheiden sich die einzelnen Anbieter doch in einigen Punkten.

Gegen unseriöse Partnervermittler klagen?


Enttäuscht von Partnersuche
Enttäuscht. Und nun? (Bild: pixabay.com)

Wir haben zwar Menschen gefunden, die enttäuscht und um viel Geld erleichtert waren, aber niemand davon klagte gegen das Vorgehen der Partneragenturen.

Ob es sich lohnt, vor Gericht zu ziehen und was andere enttäuschte Singles erlebten, veröffentlichen wir zu einem späteren Zeitpunkt. Die Beispiele sind zwar aus Deutschland, aber in der Schweiz dürfte es ähnlich aussehen. (Sollte jemand von euch diesbezüglich Erfahrungen oder Hinweise haben, meldet euch gerne! Wir würden gerne auch Schweizer Erfahrungsbereichte zeigen.)

Klage gegen Partneragentur

Adlige klagt gegen Partnervermittlung

Wo bekomme ich Hilfe, wenn mich eine Partnervermittlung abgezockt hat?

Bist du selbst betroffen und hast einige Tausender für umsonst gezahlt, lohnt es sich auf jeden Fall, einen Anwalt aufzusuchen. Ob eine Klage erfolgreich sein könnte, kann nicht pauschal beantwortet werden.

Wir möchten dich vor Abzockern warnen! Dabei möchten wir keineswegs alle Partnervermittlungen verteufeln, sicher gibt es auch solche, denen das Wohl ihrer Klienten tatsächlich am Herzen liegt. Lies unbedingt das Kleingedruckte in Broschüren oder auf Webseiten, höre auf dein Bauchgefühl. Im besten Falle kennst du jemanden persönlich, der oder die gute Erfahrungen mit einer Partnervermittlung gemacht hat und meldest dich bei dieser.

Übrigens: Auch ältere Singles vom Lande nutzen Partnerbörsen im Internet. Diese sind teilweise kostenlos, auf jeden Fall aber deutlich günstiger als klassische Partnermittlungen.

 

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